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Offener Brief an WWF | Warum JustCoz eine Fehlentwicklung ist

Offener Brief an den WWF

Durch die Facebook-News „Spende einen Tweet“ und die Kommentar-Diskussion angeregt, habe ich mich entschlossen meine Argumente gegen automatische Twitter-Dienste in einer Art offenen Brief an den WWF ausführlich dar zu legen.

Bevor ich auf die subjektive Warnehmung von verbreiteten Neuigkeiten eingehe komme ich erstmal zu Twitters interessanter Funktionsweise.
Diese ist simpel wie genial zugleich. Sobald eine Meldung über diesen Nachrichtendienst versendet wird kann sie theoretisch zwar Jeder lesen, doch die Meldung geht in der Masse unter. Die Follower bringen hier Leben ins Spiel. Jemand der dem ursprünglichen Sender folgt und die Nachricht für interessant, wichtig, lustig oder aus einem anderem Grund verbreitungswürdig befindet wird dies auch tun. Er nutzt die Retweet-Funktion und erzählt es damit weiter an seine Follower, bei denen nun der gleiche Prozess staffindet.
Durch die Menschen wird also die Qualität der Veröffentlichung bewertet und bei Bedarf in eine entsprechende Quantität umgewandelt.
Die benötigte Anzahl dieser Kurzmitteilungen wird bei Twitter auf eine sehr demokratische Weise generiert, bei der die Menschen im Mittelpunkt stehen. Gerade deshalb ist Twitter so erfolgreich und beliebt.
Platziert man in dieses einfache System nun automatisierte Meldungen erreicht man vielleicht in erster Linie die gewünschte Quantität, umgeht aber damit die –integrierte und natürliche- Qualitätskontrolle der Individuen. Diesen Filter zu umgehen führt nicht nur zu einer entwertung des Inhalts, sondern vor allem zu einem Störfaktor in Twitter selbst, den die Leute auf Kurz oder Lang zu umgehen versuchen werden. Sei es durch technische Spam-filter oder bewusstes Ignorieren der Nachrichten, bis hin zu Personen die diese verbreiten.
Erreicht wird damit also das Gegenteil vom angepeiltem Ziel: Die Verbreitung der Information nimmt ab.

Und ein weiteres Informations-Mengen-Problem ergibt sich wenn man seinen Tweet an Zielgruppen bzw. Interessierte schicken möchte. Die Hashtags die dazu benutzt werden Kolumnen zu erstellen erweisen sich sehr nützlich wenn man bestimmten Themen folgen will. Beispielsweise fassen #WWF oder #Waldsterben auch Informationen von Leuten zusammen wenn man diesen selber nicht direkt folgt.
Wird beim “automatisiertem Twitter” ein Hashtag verwendet wird die Kolumne nun von einer Meldung überflutet. Die eigentliche Absicht mehr Menschen gezielter zu erreichen dreht sich auch hier ins Gegenteil. Denn die Nachrichten zu einem Hashtag werden Monoton und sehen alle gleich aus, jeder schickt (automatisch) den gleichen einen Tweet, der sich am Qualitätsfilter vorbei schleicht. Der ansonsten angeregte und teils intensive Austausch von Informationen zu einem Thema wird damit unterbunden, da eine Nachricht stark dominiert.
Nicht nur das die Kommunikation per Twitter über den ursprünglichen Tweet wird damit erschwert bis unmöglich, sondern auch eine Unbrauchbarkeit der Kolumne bzw. des Hashtags wird herbeigeführt.
Daraus ergibt sich, dass selbst Interessierte die Betrachtung der Kolumne aufgeben, was wiederum zu einer Verringerung der erreichten Personen führt.
Obwohl nun mehr Leute das Thema twittern erreicht die Nachricht weniger Leute und mutiert zum Spam.

Genau hier möchte ich nun auf die Wahrnehmung der Menschen eingehen:
Durch die vorher beschriebenen Probleme wird also vor allem eine Zielgruppe, die Interessierten und Engagierten, sabotiert. Die Menschen die man noch überzeugen möchte sich anzuschliessen, werden nun von einem anderen Effekt verjagt, dem natürlichen Misstrauen.
Gerade im Internet ist die Qualität einer Mitteilung besonders wichtig. Den Garant dafür suchen Menschen bevorzugt in der Quelle. Diese kann man sich bei Twitter, in Form der Schreiber denen man folgt, ja selbst aussuchen. Sobald Leute aber erkennen, dass diese nur Instrumente sind findet eine Abstumpfung gegen ihre Meldungen statt. Das Vertrauen sinkt, da man weiss das die Quelle die gerade gesendete Mitteilung vielleicht gar nicht bewusst unterstützt oder selbst nicht mal gelesen hat. Diese Tweets werden somit lästiges Beiwerk, ähnlich der TV-Werbung bei einem Spielfilm.
Es wird damit immer schwerer die Menschen von den guten Zielen zu überzeugen, obwohl genau das so wichtig ist um unserer Welt zu schützen: Bewusstsein.

Eine Menge von halb­-automatischen-Twitterern wird nicht ausreichen um Klimawandel und Artensterben aufzuhalten. Es ist nicht genug sein Gewissen mit einer „Tweet-Spende“ zu beruhigen, wenn man sich mit der Thematik nicht näher auseinandersetzt. Aber genau diese Gefahr sehe ich bei diesem Dienst.

Ich appelliere hiermit nun an den WWF und alle anderen Organisationen die hohe Ziele haben:

  • Stoppt die Nutzung von automatischen Twitter-Diensten wie JustCoz.org!
  • Fördert Demokratie-basiertes, qualitatives und selbständiges Denken/Twittern!
  • Rettet die Welt mit und durch Überzeugung und überzeugten Helfern!

Ausserdem appelliere ich auch an alle Menschen nicht ihr Gewissen zu beruhigen und ihr Denken aufzugeben. Bleibt Aktiv und Interessiert!

Danke für euer Interesse
Johannes

Obwohl nun mehr Leute das Thema twittern erreicht die Nachricht weniger Leute und mutiert zum Spam.
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